Warum steigen die Mieten?

Der anhaltende Anstieg der Mietpreise in Deutschland zieht sich bereits seit Monaten hin. Mittlerweile sind nicht nur Großstädte wie München von diesem deutlichen Anstieg betroffen, sondern auch kleinere Städte und nicht-metropolitane Gebiete wie Potsdam, Siegen oder Mühlheim. Dabei ist bemerkenswert, dass diese Preissteigerungen nicht nur Neubauwohnungen betreffen, sondern vor allem Bestandsimmobilien, die oft noch nicht einmal renoviert wurden. Dies wirft die Frage auf, wie es dazu kommen konnte, insbesondere da diese Immobilien eigentlich nicht von gestiegenen Baukosten und hohen Zinsen betroffen sein sollten. Experten führen diese sprunghaften Mietpreiserhöhungen auf vier Hauptfaktoren zurück:

Neubau-Mangel

Der Wohnungsbau in Deutschland wurde durch hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und Inflation stark ausgebremst. Dies führte zu einem massiven Rückgang der Baugenehmigungen, wodurch nun der Mangel an gebauten oder genehmigten Wohnungen schmerzlich spürbar ist. Die Bundesregierung hatte jährlich 400.000 neue Wohnungen angestrebt, was derzeit jedoch weit entfernt ist.

Rekord-Zuzug

Aufgrund des enormen Bevölkerungszuzugs ist der Bedarf an Wohnraum gestiegen und setzt sich fort. Allein im Jahr 2022 wuchs die deutsche Bevölkerung um etwa 1,5 Millionen Menschen, im Vorjahr waren es lediglich 329.000. Dies stellt die höchste Nettozuwanderung innerhalb eines Jahres seit 1950 dar. Ein Großteil dieser Zuwanderung stammte aus der Ukraine, aber auch aus Syrien, Afghanistan und der Türkei verzeichnete man starke Zuwächse. Bis 2030 wird erwartet, dass die Bevölkerung von derzeit rund 84 Millionen auf etwa 86 Millionen ansteigen wird.

Sanierungspflicht

Strengere Sanierungsauflagen im Rahmen der Klimaneutralität zwingen immer mehr Eigentümer zu erheblichen Investitionen. Einige Eigentümer setzen auch gezielt auf Sanierungen, um ihre Immobilien für die Zukunft zu rüsten und langfristig den Wert zu steigern. Diese Sanierungskosten können, wo möglich, auf die Mieter umgelegt werden.

Neue Mietspiegel

Der Münchner Mietspiegel von 2023 verzeichnet die höchste Steigerung in seiner Geschichte, wobei die Durchschnittsmieten im Durchschnitt um 21 Prozent gestiegen sind, verglichen mit vor zwei Jahren. Das Problem besteht darin, dass derzeit nur Mietverträge in die Berechnung einfließen dürfen, die in den letzten sechs Jahren abgeschlossen wurden. Dies betrifft einen Zeitraum, in dem die Mieten bereits stark angestiegen sind, während ältere Verträge und geförderte Wohnungen ausgeschlossen sind.

Die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die etwa 21 Millionen Mieterhaushalte in Deutschland bleiben abzuwarten. Experten befürchten einen verschärften Wettbewerb um bezahlbaren Wohnraum und eine Vertiefung der sozialen Unterschiede. Die „Mittelschicht der Mieter“, die über zu viel Einkommen für geförderten Wohnraum verfügt, aber zu wenig für teure Neuvermietungen, könnte bei dieser Entwicklung benachteiligt werden.